Handwerker*innen - oder warum ich manchmal gerne ein Rottweiler wäre

Schwarze Katze sitzt mit untergeklappten Pfoten auf einer gestreiften Bettdecke.

Miau und hallo, meine zauberhaften Fans,

 

wisst ihr, manchmal wäre ich ja nur zu gern ein großer, gefährlicher Rottweiler – und kein zierlicher, schwarzer Kater. Das wäre wirklich praktisch. Wenigstens in bestimmten Situationen.

 

Wie ich auf diesen Gedanken komme, obwohl Katzen doch so viel hübscher und anmutiger sind?

 

Nun, die Antwort darauf lautet schlicht: Handwerker*innen.

 

Wie jeder Mensch hat Anna natürlich hin und wieder mit dieser Spezies zu tun und äußerst selten sind es erfreuliche Begegnungen. Ihr kennt das. Von all den Terminen mit Klempnern, Elektrikern, Tischlern und Malern (alle absichtlich in der rein männlichen Form) in all den Jahren mit Anna sind mir jene beiden aus dem Februar 2023 besonders eindrücklich in Erinnerung geblieben.

 

Damals schlugen hier an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zunächst ein Elektriker und dann ein Klempner auf, da die Klingel zum wohl zwanzigsten Mal, seit Anna und ich in dieser Wohnung wohnen, ihren Dienst verweigerte, und das Wasser im Bad aus der Wand statt aus dem Hahn lief. Beides eher suboptimal.

 

Ich hatte Anna vorgeschlagen, dass ich die Instandsetzung selbst in die Pfoten nehmen könnte, aber alles, was mit Wasser und Strom zu hat, lässt sie mich nicht magisch reparieren. Dabei heimwerke ich so gerne. Ja, gut, ganz eventuell besteht die Möglichkeit, dass Annas Ablehnung, mir Handwerksarbeiten zu überlassen, etwas mit dem Holzküchenstuhl zu tun hat, dessen wackelige Lehne ich in der Anfangszeit bei ihr mal in Ordnung gebracht habe. Die Lehne habe ich wieder fest bekommen, bombenfest sogar; allerdings ist seitdem eins der Stuhlbeine kürzer als die anderen. Keine Ahnung, wie das passiert ist. Aber irgendwann bekomme ich das wieder gerichtet; ich bin mir sicher. Miau.

 

So, wo war ich eigentlich? Ach ja.

 

Für Anna & Co sind Termine mit Handwerker*innen nicht nur eine Belastung, sondern auch ein Trigger-Faktor. Fremde Menschen in ihren Schutzbereich zu lassen, zumeist Männer, die zudem noch allzu häufig sämtliche Klischees erfüllen, löst bei vielen Anteilen nach wie vor große Angst aus und setzt sie daher unter Stress. Seit Beginn der Pandemie sind solche Termine noch schwieriger geworden, denn bei uns herrscht für Besucher*innen und Handwerker*innen bis heute Maskenpflicht, da Anna zu den Risikopatient*innen gehört, für die Corona nach wie vor eine Gefahr darstellt. Und wie ihr euch vorstellen könnt, muss Anna diesen Punkt zumeist erst mal ausdiskutieren. Da wäre es doch ausgesprochen hilfreich, wenn ein leise knurrender Rottweiler neben ihr stünde und dem Ganzen so ein klein wenig Nachdruck verleihen würde, meint ihr nicht?

 

Naja, es ist, wie es ist. Ich bin halt eine Katze und in aller Regel auch sehr froh darüber. Damals hatten wir in diesem Punkt übrigens zumindest mit dem Elektriker Glück. Der trug einfach brav die FFP2 und er hat es geschafft, dass die Klingel wieder funktionierte. Zumindest bei trockenem Wetter. Meine Bemerkung, dass ich das auch hinbekommen hätte, brachte mir einen seltsam-schrägen Blick von Anna ein.

(Es brauchte übrigens drei weitere Elektriker, dann funktionierte sie auch bei Regen und Schnee. Das nur mal nebenbei.)

 

Der Klempner damals jedenfalls war in punkto Maskentragen leider eine ganz andere Hausnummer; vermutlich ist mir der Termin deswegen so gut in Erinnerung geblieben. Er machte überhaupt keinen Hehl daraus, Corona-Leugner zu sein – und somit lehnte er natürlich Masken kategorisch ab. Doch Anna blieb unnachgiebig. So kapitulierte er nach einigem hin und her und griff widerwillig nach der FFP2, die ihm Anna seit Minuten entgegenstreckte. Bedauerlicherweise brauchte es eine weitere Diskussionsrunde, bis er es schaffte, das Ding korrekt in seinem Gesicht zu platzieren, sodass die Nase nicht herausguckte.

 

Als er sich dann endlich im Bad an die Arbeit machte, setzte ich mich seitlich von ihm hin und versuchte, so gefährlich auszusehen wie nur möglich. Dabei fixierte ich ihn ohne Unterlass mit den Augen. Ihr wisst, wie gut schon nicht-magische Katzen starren können. Magisches Starren ist viel intensiver und ich bin ein wahrer Weltmeister darin. Den meisten, die ich so anstarre, stehen in kürzester Zeit mindestens die Nackenhaare zu Berge. Bei dem Kempner dauerte es leider verhältnismäßig lang, bis mein magischer Blick wirkte. Die ersten Minuten wurde er es nicht müde, ohne Unterlass darauf hinzuweisen, dass er so ja gar keine Luft bekäme. Ich finde, für einen Menschen, der gerade angeblich erstickt, hat er erstaunlich viel geredet, miau.

 

Himmel, war ich erleichtert, als er schließlich doch mit seinem ganzen Geschwurbel aufhörte und sich auf seinen Job konzentrierte. Überraschenderweise bekam er es tatsächlich hin, dass sich das Bad nicht mehr jedes Mal, wenn Anna das Wasser aufdreht, in einen Swimming Pool verwandelt. Ich muss gestehen, ich war da ja sehr skeptisch gewesen, ob er außer Vorträge zu halten, noch etwas anderes konnte. Konnte er, aber was waren Anna und ich froh, als der die Wohnung wieder verlassen hatte.

 

Wie alle Termine mit Handwerker*innen haben uns auch diese beiden viel Kraft und Energie gekostet. Ich als Katze habe es da ja einfach, kann ich doch selbst nach solchen Terminen schnell einschlafen und mich so erholen. Eine kurze Katzenwäsche, ein paar Mal im Kreis drehen, einkuscheln und schon bin ich im Reich der Träume. Das ist bei Anna anders; aufgrund des hohen Angst- und Stresspegels innen kann sie nicht gleich ein Nickerchen machen, so sehr sie es aufgrund der Erschöpfung auch bräuchte. Die ganzen Stresshormone müssen sich erst einmal wieder abbauen. Dafür ist viel Beruhigungsarbeit nach innen nötig, bei der ich Anna nach Möglichkeit unterstütze. So laufen wir beispielsweise ein paar Mal gemeinsam durch die Wohnung, um innen allen zu zeigen, dass die Handwerker*innen jetzt definitiv wieder weg sind und wir die Wohnung wieder für uns haben. Das verschafft Anna gleich auch ein wenig Bewegung, die nicht nur wichtig ist, um die ganzen Stresshormone abzubauen, sondern auch um aus dem Zustand des Getriggertseins wieder herauszufinden. Aber natürlich dauert es eine Weile, alle wieder zu beruhigen und ins Hier und Jetzt zu holen, wie ihr euch vorstellen könnt. Bis sich die Kleinen wieder sicher fühlen und wir uns gemeinsam ins Bett kuscheln können, vergehen schon mal Stunden.

 

 

So, meine zauberhaften Fans, ich hoffe, dieser kleine Text zeigt ganz gut, wie anstrengend solche Termine für Anna & Co sind. Daher schließe ich für heute. Wir lesen oder hören uns. Bis bald. 

 

Wie immer könnt ihr mir gern hier oder auf meinen Social Media Accounts einen Kommentar hinterlassen. 

 

Es grüßt euch herzlich euer Merlin.

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Wyland (Sonntag, 19 Februar 2023 12:15)

    Hallo lieber Merlin, könntest Du mal bei mir zu Hause die Klingel reparieren? Vielen Dank�
    P.S. Der Blog ist wirklich sehr schön und gut gelungen, liebe Grüsse auch an Anna!

  • #2

    M (fast 6), getippt und geholfen von Asti (Sonntag, 19 Februar 2023 17:17)

    Hallo Merlin,
    wir haben auch eine Klingel und die geht, wenn es nass ist, aber nicht, wenn es kalt ist. Deswegen ging sie letzten Winter gar nicht und diesen Winter nur, weil es gar nicht so kalt war. Dann müssen immer die Nachbarn unsere Pakete annehmen und Freunde müssen anrufen, wenn wir die Tür aufmachen sollen. Aber das ist alles viel einfacher als Handwerker oder mit dem Vermieter reden müssen... Das ist ein echtes Problem!

  • #3

    Maria (Sonntag, 19 Februar 2023 18:37)

    Sehr Süß merlin, wie du auf Anna aufpasst. Übrigens hatte ich auch einen Kater der merlin hieß. Doch ein großer roter Vertreter der Spezies magisch war. Viel später gab es Mustafa ein zierlicher Schwarzer wie du. Nach 22 Jahren ist er in ein anderes Seelenreich gewandert. Macht weiter so. Ich freue mich auf neues von dir. Liebe Grüße mit� zum ❤ maria

  • #4

    Pjs (Sonntag, 26 Februar 2023 22:07)

    Hey Merlin,

    danke, dass du mich an deinem Alltag mit Anna teilhaben lässt ! Ich mag deinen magischen Blick, gut, dass du da bist �‍⬛

  • #5

    @energiepirat (Montag, 27 März 2023 11:59)

    Tja, die Jungs vom Bau. Das Verhalten scheint ein Teil der Berufsausbildung zu sein. Gut, dass Du Aufsicht geführt hast. Danke, Merlin

  • #6

    Hartmut (Freitag, 06 September 2024 19:21)

    Hallo Merlin,
    tja, das ist immer so eine Sache mit den Handwerker*innen. Schon gemein, dass sie dich das nicht machen lässt. Ich meine, den Stuhl hast du ja unter Zeitdruck hinbekommen, und da kann das ein oder andere Mal etwas nicht ganz stimmig sein. Aber das würdest du ja auch jederzeit wieder optimieren, sodass der Stuhl perfekt ist.
    Tja, und das mit den Handwerker*innen – dieses Problem hat nicht nur Anna, sondern auch viele andere, die eine Angststörung haben. Das Eindringen von fremden Menschen in die Wohnung kann für sie sehr belastend sein. Das ist wirklich keine angenehme Situation, da stimme ich dir zu. Mit einem Rottweiler dabei ist das natürlich eine ganz andere Sache.

    Ja, das mit dem Anstarren von Katzenaugen kenne ich gut. Immer, wenn meine Tochter mit ihren beiden Katern zu Besuch ist und einer mich die ganze Zeit fixiert, weiß er genau, wie er mich steuern muss. Ich stehe dann auf und hole Leckerlis. Und was macht meine Tochter? Sie rollt mit den Augen. Aber das lässt sich eben nicht ändern – es ist ja auch nur für eine Woche, wenn sie zu Besuch ist.
    Naja, dann mal auf zum nächsten Kapitel.
    Schöne Grüße an Anna und Co. und natürlich auch an Spring.